Erster Crowdfunding-finanzierter Buchladen Deutschlands eröffnet in Friedrichshain

www.buechertisch.org

Der Berliner Büchertisch ist ein als Verein und Genossenschaft organisiertes Gemeinschaftsprojekt in Kreuzberg. Er nimmt Buchspenden entgegen und verteilt diese an mehr als 100 Schulbibliotheken und 50 weitere Einrichtungen. Daneben unterhalten und unterstützen wir Buchverschenkorte in Berlin und Brandenburg. Seit 2010 verleihen wir mit unserem Berliner Lesetroll pro Schuljahr etwa 50 Lesekoffer an Schulen in Berlin und Brandenburg. Für unsere Arbeit wurden wir 2012 mit der Bezirksmedaille Friedrichshain-Kreuzberg ausgezeichnet.

Weitere Informationen unter www.buechertisch.org und www.startnext.de/buecher-fuer-alle.de

>>> Eröffungsfeier am 7. Juni 2014

Dass Autorinnen und Autoren, Verlage und Veranstalter ihre Bücher und Lesungen per Crowdfunding finanzieren, ist nichts Neues mehr. Buchläden in Deutschland haben sich bisher allerdings noch nicht an das Phänomen gewagt. Der Berliner Büchertisch eröffnet nun am 7. Juni einen neuen sozialen Buchladen in Friedrichshain. Finanziert wurde der Laden von den Fans des Büchertischs: auf der Crowdfunding-Plattform Startnext gaben Berlinerinnen und Berliner insgesamt 21.000 Euro als Anschubfinanzierung.

Am Berliner Büchertisch herrscht aufgeregtes Treiben: Regale werden neu gestrichen, Kisten gepackt und Buchspenden sortiert. Nur noch wenige Tage bleiben bis zur Eröffnung einer dritten Filiale. „Dass dieser Laden überhaupt möglich geworden ist, verdanken wir unseren Unterstützern, die an uns glauben und denen wichtig war, dass wir unsere Arbeit ausbauen“, sagt Cornelia Temesvári, Initiatorin der Crowdfunding-Aktion und Vorstandsmitglied.

In Kreuzberg ist der Berliner Büchertisch bereits eine bekannte Institution. Mit Buchspenden von Privatpersonen und Verlagen werden Schulbibliotheken ausgestattet, Flüchtlingsheime und andere Einrichtungen unterstützt. In zwei Läden werden die gespendeten Bücher zu Preisen angeboten, die sich alle Berliner leisten können – für Studentinnen und sozial Benachteiligte gibt es Rabatte auf die ohnehin günstigen Preise. Außerdem werden viele Bücher an Buchverschenkorten ausgelegt – ein niedrigschwelliges Angebot, das alle nutzen können.

In Friedrichshain betritt der Büchertisch Neuland. „Eigentlich wollten wir nach Neukölln oder in den Wedding “, so die Initiatorin Temesvári, „aber letztendlich haben wir in Friedrichshain gefunden, was wir suchten: einen einigermaßen bezahlbaren, barrierefreien Raum in einer buchaffinen Gegend“. Der neue Laden soll Leseförderprojekte finanzieren, die im angrenzenden Lichtenberg sowie in Neukölln und Wedding umgesetzt werden. Außerdem soll der Laden, wie schon die bestehenden Filialen in Kreuzberg, ein „Buchladen zum Mitmachen“ sein, ein Ort zum Experimentieren und Austauschen.

Während in den USA bereits einige Indie-Buchläden den finanziellen Bankrott mithilfe ihrer Fans abwenden konnten und so schon einmal $60.000 für den Buchladen Adobe Books in San Francisco zusammen kamen, gibt es bisher keinen deutschen Buchladen, der sich an ein Crowdfunding gewagt hätte. „Der Arbeitsaufwand einer solchen Aktion ist nicht zu unterschätzen“, so Temesvári, „aber gleichzeitig bietet sie unheimlich viele Chancen. Als Verein hätten wir von keiner Bank einen Kredit bekommen und allein hätten wir diese Summe niemals aufbringen können.“

Außerdem bietet ein Crowdfunding die Möglichkeit, langjährige Kunden und Fans mit ins Boot zu holen. Stefanie Mousa und Mareike Schüssler, die den neuen Laden in Friedrichshain leiten werden, können dies nur bestätigen. „Wir haben sehr viele Anfragen von Freiwilligen erhalten, die bei uns mitmachen wollen“, erzählt Mousa. Doch nicht nur die Möglichkeit zum Mitmachen ist etwas Besonderes. Der Buchladen wurde fast komplett aus ausgemusterten Möbeln und Materialien eingerichtet, die neu hergerichtet wurden. Upcycling ist nicht nur „in“, sondern auch kostengünstig und nachhaltig.

Nachhaltig war auch das Crowdfunding: „Viele Menschen haben uns erst dadurch kennengelernt und sind neugierig geworden“, so Temesvári. Das nächste Crowdfunding ist schon geplant. Im Herbst soll Geld für das Buch „Friedrichshain kocht“ gesammelt werden, das der Büchertisch Ende des Jahres herausgeben wird.